KUNST GRENZENLOS - eine Ausstellung, die Grenzen überwindet

„Kunst hat die Aufgabe wachzuhalten, was für uns Menschen so von Bedeutung und notwendig ist.“

Was Michelangelo der Kunst als Aufgabe zuschreibt, möchten wir als Malteser aufnehmen. 

Wir möchten Menschen, die erst kürzlich Teil unserer Gesellschaft geworden sind, einen Raum zur Verfügung stellen, in dem sie ihre Gedanken über das, was ihnen bedeutsam und notwendig erscheint, ausdrücken können. 

Wir erleben, dass die Kunst als Ausdrucksmedium vielen Menschen, die sich in ihrem Integrationsprozess befinden, Halt gibt. Kunst unterstützt sie dabei, die schwierige Zeit des Loslassens und Ankommens zu überstehen. Mit der Wanderausstellung KUNST GRENZENLOS möchten wir einen Beitrag zu einem friedvollen Zusammenleben und einer pluralistischen Gesellschaft leisten. Damit kommen wir der künstlerischen Aufgabe des Wachhaltens von Bedeutsamem und Notwendigem nach. 

Es ist uns ein besonderes Anliegen den Austausch zwischen den Besuchenden und den ausstellenden Künstlerinnen und Künstlern zu fördern. Denn im gemeinsamen Dialog liegt das Potential des einander Verstehens. Und in diesem Verstehen sehen wir die Quelle des Verständnisses füreinander und den Grundstein für ein bereicherndes Miteinander. 

Auftakt-Ausstellung im September 2020

Ausstellung mit rund 25 Werken von 12 Künstler:innen vom 15.09. – 01.10. im nordrhein-westfälischen Landtag in Düsseldorf.

Die Ausstellung wurde durch Landtagspräsident André Kuper, Staatssekretär Andreas Bothe und Malteser Werke Geschäftsführer Sebastian Schilgen eröffnet. Leider konnten aufgrund der Corona-Pandemie nur 30 Gäste an der Eröffnung teilnehmen. Unter ihnen Abgeordnete aus dem Bereich Migrationspolitik, die Geschäftsführerin des Flüchtlingsrats NRW, sowie die für die Organisation des Projekts Zuständigen sowie einige Kunstschaffende selbst. Wenn Sie nicht die Möglichkeit hatten live dabei zu sein, können Sie durch einen Klick auf das Video einen Eindruck von der Auftaktveranstaltung erhalten. 

Die Besucherinnen und Besucher zeigten sich von der Qualität und Tiefe der Kunstwerke ausnahmslos beeindruckt! Besonders der Appell „Sprecht miteinander!“, des aus Somalia geflüchteten Künstlers Ibrahim Ali, blieb im Gedächtnis. Nicht nur für ihn liegt darin der Schlüssel für ein friedliches Zusammenleben. 

KUNST GRENZENLOS digital

Die Corona-Pandemie und die damit einhergehende Schließung der Kulturstätten verhinderte eine analoge Ausstellung. Doch eine Ausstellung, die den Namen KUNST GRENZENLOS trägt, muss diese Barriere selbstverständlich überwinden können. Die Künstlerinnen und Künstler sowie die Organisatorinnen und Organisatoren entschieden gemeinsam, keine Risiken einzugehen und die Herausforderung, die eine virtuelle Ausstellung mit sich bringt, anzunehmen.

Dies war ein mutiger Schritt, da das Rezipieren von Kunst sehr stark mit der Nutzung realer Sinneseindrücke verbunden ist. Um die Werke dennoch bestmöglich darzustellen, werden sie in Form von Bild und Video präsentiert. Eine Betrachtung aus verschiedenen Blickwinkeln wird somit auch digital möglich.

Durch diese innovative Art des Kunst-Erlebens haben Sie auch weiterhin die Möglichkeit diese besonderen Kunstwerke zu betrachten und zumindest digital einen Einblick in das Leben der dahinterstehenden Künstlerinnen und Künstler zu gewinnen. Fangen Sie am besten gleich damit an… (Alle Werke der Auftaktausstellung – Dauer: 9 Minuten)

Die Kunstwerke

Die Künstlerinnen und Künstler

SERHIY BULATOV

SERHIY BULATOV

*1986 in Belz (Ukraine)

>> Kunst ist für mich die Möglichkeit die Welt zu erkunden und Visionen zu vermitteln<<

Serhiy Bulatov ist in der Ukraine geboren und 2015, aufgrund der Besatzung der Krim, nach Deutschland geflohen. Sein Interesse an Malerei, Kalligraphie, Schnitzerei und Holzarbeiten wurde durch Freunde der Familie in der Ukraine schon in Kindertagen geweckt.

>>Die Kalligraphie lehrt mich, das richtige Tempo und den richtigen Rhythmus zu finden, harmonische Proportionen zu sehen. Sie gibt mir die Möglichkeit mit Kontrasten zu arbeiten und Strukturen zu betonen. <<

Diese Freunde waren die in der Ukraine bekannten Künstler Ludmila und Mikhail Pavlyuk, die sich neben der Malerei auch mit Bildhauerarbeiten, mit Metall und Holz beschäftigten. Schon als kleiner Junge hat Serhyi –beeindruckt durch seine Künstlerfreunde – angefangen zu zeichnen und zu malen. Mittlerweile lebt er mit seiner Familie in Regensburg und produziert schwerpunktmäßig kalligrafische Kunstwerke.

TAHERA REZAYI

TAHERA REZAYI

*1996 in Bamyan (Afghanistan)

>> Malen, das bedeutet für mich Gefühle und Emotionen. Darüber hinaus ist es meine zweite Sprache, wenn ich meinen Gefühlen mit Worten keinen Ausdruck verleihen kann, dann kann ich es mit Bildern<<

Tahera ist aus Afghanistan geflohen, lebte dann zunächst in einer Landesunterkunft in Schwerin und wohnt heute in Rostock. Sie hatte nie die Möglichkeit Kunst zu studieren, obwohl sie es gerne wollte. Für Tahera kennt Kunst keine Grenzen und auch bei der Materialauswahl ist sie komplett frei: Manche Werke entstehen aus Kosmetikprodukten wie Lidschatten und Rouge.

PARINAZSADAT POURMAND

PARINAZSADAT POURMAND

*1991 in Teheran (Iran)

>> Ich wusste nicht, dass das Malen meine Leidenschaft ist<<

Parinaz konnte es nicht wissen, weil sie nie mit Kunst in Berührung gekommen ist – bis zu dem Tag, als sie nach ihrer Flucht aus dem Iran in einer Landesunterkunft für Geflüchtete in Rees einen Kunstraum betrat. Sie begann zu malen und es offenbarten sich Leidenschaft und großes Talent. Parinaz ist 2019 nach Deutschland gekommen und hat ihre Heimat Teheran hinter sich lassen müssen.

AFSANEH AHANG

AFSANEH AHANG

*1984 Karadsch (Iran)

Ahang kommt aus dem Iran und musste 2019 nach Deutschland fliehen. In ihrer Heimat arbeitete sie als Kunstlehrerin. Ihr Bruder war es der schon früh ihr Talent erkannt und sie ermutigte künstlerisch aktiv zu werden. Heute ist sie glücklich diesen Rat befolgt zu haben und freut sich über die Anerkennung ihrer Bilder.

ISMAIL HESSO

ISMAIL HESSO

*1953 in Afrin (Syrien)

>> Oft beschäftigen mich verschiedene Gedanken, die ich gerne weitergeben möchte. Dazu verwende ich unterschiedliche Medien. Es fällt mir leichter zu malen, wenn ich keine Worte finde<<

Ismail nutzt verschiedene Medien um sich und seine Gedanken auszudrücken. Ganz besonders beschäftigt ihn dabei seine Heimatstadt Aleppo in Syrien. Er hat seit Kriegsbeginn in Syrien Tagebuch geführt, um seine Gefühle, Gedanken und Beobachtungen festzuhalten. Er musste seine Heimat verlassen, seine Veröffentlichungen wurden als Verstoß gegen die offizielle politische Meinung gewertet. Heute lebt Ismail in Pulheim und stellt seine Werke an verschiedenen Orten und in unterschiedlichen Kontexten aus.

HANIEH AZADKHANKADI

HANIEH AZADKHANKADI

*1982 in Teheran (Iran)

Hanieh kommt aus Teheran und lebt heute – nach ihrer Flucht – im nordrhein-westfälischen Marl. Ihre Leidenschaft für Kunst entdeckte Hanieh schon früh, sodass für sie feststand ihr Hobby in berufliche Bahnen zu lenken. Auf ein erstes Postabiturstudium im Bereich Grafik folgte ihre Bachelorausbildung an der Kunsthochschule in Shiraz (Iran). Da sich Hanieh für das Handwerkliche hinter der Schönheit der Kunst interessiert, komplettierte sie ihre Ausbildung mit einem Masterabschluss an der Marlik Hochschule in Nostar (Iran) im Jahr 2016.

ZAINAB YAQUBI

ZAINAB YAQUBI

*1980 in Herat (Afghanistan)

Zainab ist in Afghanistan geboren und bereits als Kind mit ihren Eltern in den Iran ausgewandert, um vor dem afghanischen Bürgerkrieg zu fliehen. Im Iran hat sie eine Ausbildung zur Textildesignerin gemacht und nebenbei ihr künstlerisches Talent in einem Zeichenkurs entdeckt. Diese Entdeckung führte sie zu einem Mal- und Zeichenkurs am Jahad-Istitut der Iran University. Hier in Deutschland, der nunmehr dritten Heimat, hat sie bereits eine Ausstellung mit dem Titel Days before in Rietberg veranstaltet. Die Kunst gibt ihr Kraft.

ZEYNOLLA MOHAMMADI

ZEYNOLLA MOHAMMADI

*1997 in Helmand (Afghanistan)

>>In der Malerei kann ich meine Gefühle und Empfindungen ausdrücken<<

Zeynolla ist im Oktober 2014 nach Deutschland gekommen – sein Bruder ist bei einer Auseinandersetzung mit den Taliban erschossen worden. Das war ausschlaggebend dafür, dass Zeynolla Afghanistan verlassen hat und nach Europa geflohen ist. Bis zu dem Zeitpunkt hat er an der Universität Kabul Kunst und Malerei studiert. Während dieser Zeit hat Zeynolla unter anderem Auftragswerke gefertigt, die zum Teil an die stationierten amerikanischen Sodaten verkauft wurden, was zu Anfeindungen durch die Taliban geführt hat. Heute lebt Zeynolla in Vilseck. (Oberpfalz)und hat bereits bei einigen Ausstellungen mitgewirkt.

OLFAT ALBRIDI

OLFAT ALBRIDI

*1982 in Damaskus (Syrien)

Olfat ist im November 2016 von Syrien nach Deutschland geflüchtet. In ihrer Heimat Damaskus hat sie schon als kleines Kind – aufgewachsen in einer künstlerisch talentierten Familie – großes Interesse und Freude am Malen gehabt. Aus diesem Grund hat Olfat an der Universität Damaskus Kunst auf Lehramt studiert. Beim Malen kennt Olfat keine Grenzen; sie malt und mag alle möglichen Maltechniken, von Aquarell über Öl bis hin zu Glas- und Stoffmalerei. Mittlerweile lebt Olfat mit ihrer Familie in Neutraubling und hat ihre Werke bereits bei mehreren Ausstellungen in Syrien und Deutschland ausgestellt.

IBRAHIM ALI

IBRAHIM ALI

*1995 in Somalia

2009 ist Ibrahim als Flüchtling nach Jemen gekommen. Als auch im Jemen der Bürgerkrieg ausbrach, machte er sich zum zweiten Mal auf den Weg und floh nach Russland, das jedoch keine Geflüchteten aufnahm. Ibrahim hat schließlich Zuflucht in der Ukraine gefunden, wo er das Glück hatte psychologische Beratung zu erhalten. Als seine Therapeutin Ibrahim vorschlug, seine traumatischen Erlebnisse in Bildern auszudrücken, um sie auf diese Weise zu verarbeiten sind aussagekräftige Kunstwerke entstanden, die sowohl die schönen als auch die dunklen Facetten seiner Heimat Somalia, beleuchten.

Ibrahim hat mittlerweile die Ukraine verlassen aber die Kunst verlässt er nicht. Heute lebt er im bayrischen Bad Aibling im AusbildungsFörderZentrum der Malteser Werke. Sein Credo, das sich auch in seinen Werken spiegelt, lautet: „Sprecht miteinander!“

NOBRAS HAMDAN

NOBRAS HAMDAN

*Al Suweida (Syrien)

Nobras kam 2015 nach Deutschland und lebt heute in Oberhausen. Kunst ist für ihn die größte Leidenschaft. Er studierte in Syrien zwar etwas anderes, war aber immer auch interessiert sich weiterzuentwickeln und fand so den Weg zur Kunst. In den vergangenen Jahren hat er bereits an einigen kleineren Ausstellungen teilgenommen.

Zum Hintergrund des Projektes

"Ich kenne keine bessere Definition für das Wort Kunst als diese: Kunst – das ist der Mensch."
- Vincent van Gogh

Dem Zitat ist nicht viel hinzuzufügen – es erklärt, warum wir uns als Malteser für die Umsetzung dieses besonderen Projekts entschieden haben.

Bei unserer täglichen Arbeit begegnen wir immer wieder Menschen, deren künstlerisches Talent uns tief beeindruckt. Da sie derzeit nicht über die dafür notwendigen finanziellen Mittel und Organisationsmöglichkeiten verfügen, haben viele von ihnen keine Möglichkeit ihre Werke in der Öffentlichkeit zu präsentieren oder ihrer Leidenschaft nachzugehen.

Dies wollen wir ändern.
Wir möchten möglichst vielen Künstlerinnen und Künstlern die Möglichkeit geben, ihre Werke und damit auch ein Stück von sich selbst sichtbar zu machen. Deswegen starteten wir intern einen Aufruf und ermutigten interessierte Kulturschaffende, die sich derzeit oder in der Vergangenheit, in Malteser-Unterkünften* aufhalten/aufhielten, ihre Werke einzusenden.

Alle eingegangenen Werke wurden von einem agilen Team gesichtet, aus unterschiedlichen Blickwinkeln beurteilt und ausgewählt. Während der zweiten Vorbereitungsphase gaben wir den Teilnehmer:innen die Möglichkeit weiterhin produktiv zu sein. Dafür stellten wir Raum und Material für die Schaffung weiterer Exponate zur Verfügung. Eine Auswahl, der dabei entstandenen Werke, konnte bei der Auftaktveranstaltung im nordrhein-westfälischen Landtag in Düsseldorf besichtigt werden. 

Das Interesse am Projekt ist weiterhin überragend, sodass wir uns auf eine Erweiterung der Ausstellung freuen können – Bald hoffentlich auch wieder ganz analog.

Bis dahin bleiben Sie gesund!

*in denen die Malteser die Betreuungsaufgabe im Namen der Länder erfüllen

Ihre Ansprechpersonen

 Sebastian Hiller

Sebastian Hiller

Projektorganisation


Tel. 0177 5037633
innovationsmanager.werke@malteser.org
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 Anja Müller

Anja Müller

Innovationsmanagement Malteser Werke


Tel. 0160 8877276
anja.mueller@malteser.org
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