KUNST GRENZENLOS - eine Ausstellung

„Kunst hat die Aufgabe wachzuhalten, was für uns Menschen so von Bedeutung und notwendig ist.“

Was Michelangelo der Kunst als Aufgabe zuschreibt, möchten wir als Malteser aufnehmen. 

Dabei adressieren wir Menschen, die erst kürzlich ein Teil unserer Gesellschaft geworden sind. Ihnen möchten wir einen Raum zur Verfügung stellen, in dem sie ihre Gedanken über das, was Ihnen bedeutsam und notwendig erscheint, ausdrücken können. 

Wir erleben, dass die Kunst als Ausdrucksmedium vielen Menschen, die sich in ihrem Asylprozess befinden, Halt gibt. Kunst unterstützt sie letztlich dabei, diese schwierige Zeit des Loslassens und Ankommens zu überstehen.

Mit der Wanderausstellung KUNST GRENZENLOS möchten wir einen Beitrag zu einem friedvollen Zusammenleben und einer pluralistischen Gesellschaft leisten und der künstlerischen Aufgabe des Wachhaltens von Bedeutsamem und Notwendigem nachkommen. 

Ganz besonders möchten wir den Austausch zwischen den Besucher*innen und den ausstellenden Künstler*innen fördern. Denn im gemeinsamen Dialog liegt das Potential des einander Verstehens. Und in diesem Verstehen sehen wir die Quelle des Verständnisses füreinander und den Grundstein für ein bereicherndes Miteinander. 

Die Künstlerinnen und Künstler

SERHIY BULATOV

SERHIY BULATOV

*1986 in Belz (Ukraine)

>> Kunst ist für mich die Möglichkeit die Welt zu erkunden und Visionen zu vermitteln<<

Serhiy Bulatov ist in der Ukraine geboren und 2015, aufgrund der Besatzung der Krim, nach Deutschland geflohen. Sein Interesse an Malerei, Kalligraphie, Schnitzerei und Holzarbeiten wurde durch Freunde der Familie in der Ukraine schon in Kindertagen geweckt.

>>Die Kalligraphie lehrt mich, das richtige Tempo und den richtigen Rhythmus zu finden, harmonische Proportionen zu sehen. Sie gibt mir die Möglichkeit mit Kontrasten zu arbeiten und Strukturen zu betonen. <<

Diese Freunde waren die in der Ukraine bekannten Künstler Ludmila und Mikhail Pavlyuk, die sich neben der Malerei auch mit Bildhauerarbeiten, mit Metall und Holz beschäftigten. Schon als kleiner Junge hat Serhyi –beeindruckt durch seine Künstlerfreunde – angefangen zu zeichnen und zu malen. Mittlerweile lebt er mit seiner Familie in Regensburg und produziert schwerpunktmäßig kalligrafische Kunstwerke.

TAHERA REZAYI

TAHERA REZAYI

*1996 in Bamyan (Afghanistan)

>> Malen, das bedeutet für mich Gefühle und Emotionen. Darüber hinaus ist es meine zweite Sprache, wenn ich meinen Gefühlen mit Worten keinen Ausdruck verleihen kann, dann kann ich es mit Bildern<<

Tahera ist aus Afghanistan geflohen, lebte dann zunächst in einer Landesunterkunft in Schwerin und wohnt heute in Rostock. Sie hatte nie die Möglichkeit Kunst zu studieren, obwohl sie es gerne wollte. Für Tahera kennt Kunst keine Grenzen und auch bei der Materialauswahl ist sie komplett frei: Manche Werke entstehen aus Kosmetikprodukten wie Lidschatten und Rouge.

PARINAZSADAT POURMAND

PARINAZSADAT POURMAND

*1991 in Teheran (Iran)

>> Ich wusste nicht, dass das Malen meine Leidenschaft ist<<

Parinaz konnte es nicht wissen, weil sie nie mit Kunst in Berührung gekommen ist – bis zu dem Tag, als sie nach ihrer Flucht aus dem Iran in einer Landesunterkunft für Geflüchtete in Rees einen Kunstraum betrat. Sie begann zu malen und es offenbarten sich Leidenschaft und großes Talent. Parinaz ist 2019 nach Deutschland gekommen und hat ihre Heimat Teheran hinter sich lassen müssen.

AFSANEH AHANG

AFSANEH AHANG

*1984 Karadsch (Iran)

Ahang kommt aus dem Iran und musste 2019 nach Deutschland fliehen. In ihrer Heimat arbeitete sie als Kunstlehrerin. Ihr Bruder war es der schon früh ihr Talent erkannt und sie ermutigte künstlerisch aktiv zu werden. Heute ist sie glücklich diesen Rat befolgt zu haben und freut sich über die Anerkennung ihrer Bilder.

ISMAIL HESSO

ISMAIL HESSO

*1953 in Afrin (Syrien)

>> Oft beschäftigen mich verschiedene Gedanken, die ich gerne weitergeben möchte. Dazu verwende ich unterschiedliche Medien. Es fällt mir leichter zu malen, wenn ich keine Worte finde<<

Ismail nutzt verschiedene Medien um sich und seine Gedanken auszudrücken. Ganz besonders beschäftigt ihn dabei seine Heimatstadt Aleppo in Syrien. Er hat seit Kriegsbeginn in Syrien Tagebuch geführt, um seine Gefühle, Gedanken und Beobachtungen festzuhalten. Er musste seine Heimat verlassen, seine Veröffentlichungen wurden als Verstoß gegen die offizielle politische Meinung gewertet. Heute lebt Ismail in Pulheim und stellt seine Werke an verschiedenen Orten und in unterschiedlichen Kontexten aus.

HANIEH AZAD

HANIEH AZAD

*1982 in Teheran (Iran)

Hanieh kommt aus Teheran und lebt heute – nach ihrer Flucht – im nordrhein-westfälischen Marl. Ihre Leidenschaft für Kunst entdeckte Hanieh schon früh, sodass für sie feststand ihr Hobby in berufliche Bahnen zu lenken. Auf ein erstes Postabiturstudium im Bereich Grafik folgte ihre Bachelorausbildung an der Kunsthochschule in Shiraz (Iran). Da sich Hanieh für das Handwerkliche hinter der Schönheit der Kunst interessiert, komplettierte sie ihre Ausbildung mit einem Masterabschluss an der Marlik Hochschule in Nostar (Iran) im Jahr 2016.

NICOLAY SVIATOBOG

NICOLAY SVIATOBOG

*1964 in Kremenchug (Ukraine)

>>Ich bin als Künstler geboren, als Künstler, der seit 55 Jahren, die er schon auf dieser Erde lebt, verborgen blieb<<

Nicolay wurde in Kremenchug in der Ukraine geboren und ist im Jahr 2019 nach Deutschland gekommen. Derzeit lebt er auf Rügen. Nicolays Werke wurden sehr lange Zeit von niemandem außer seinen Freunden gesehen. Das änderte sich als er nach seiner Flucht aus der Ukraine in Berlin Zuflucht fand und jemand auf seine Werke aufmerksam wurde. Mittlerweile wird er sogar von der H & C Gallery Berlin künstlerisch betreut.

ZAINAB YAQUBI

ZAINAB YAQUBI

*1980 in Herat (Afghanistan)

Zainab ist in Afghanistan geboren und bereits als Kind mit ihren Eltern in den Iran ausgewandert, um vor dem afghanischen Bürgerkrieg zu fliehen. Im Iran hat sie eine Ausbildung zur Textildesignerin gemacht und nebenbei ihr künstlerisches Talent in einem Zeichenkurs entdeckt. Diese Entdeckung führte sie zu einem Mal- und Zeichenkurs am Jahad-Istitut der Iran University. Hier in Deutschland, der nunmehr dritten Heimat, hat sie bereits eine Ausstellung mit dem Titel Days before in Rietberg veranstaltet. Die Kunst gibt ihr Kraft.

ZEYNOLLA MOHAMMADI

ZEYNOLLA MOHAMMADI

*1997 in Helmand (Afghanistan)

>>In der Malerei kann ich meine Gefühle und Empfindungen ausdrücken<<

Zeynolla ist im Oktober 2014 nach Deutschland gekommen – sein Bruder ist bei einer Auseinandersetzung mit den Taliban erschossen worden. Das war ausschlaggebend dafür, dass Zeynolla Afghanistan verlassen hat und nach Europa geflohen ist. Bis zu dem Zeitpunkt hat er an der Universität Kabul Kunst und Malerei studiert. Während dieser Zeit hat Zeynolla unter anderem Auftragswerke gefertigt, die zum Teil an die stationierten amerikanischen Sodaten verkauft wurden, was zu Anfeindungen durch die Taliban geführt hat. Heute lebt Zeynolla in Vilseck. (Oberpfalz)und hat bereits bei einigen Ausstellungen mitgewirkt.

OLFAT ALBRIDI

OLFAT ALBRIDI

*1982 in Damaskus (Syrien)

Olfat ist im November 2016 von Syrien nach Deutschland geflüchtet. In ihrer Heimat Damaskus hat sie schon als kleines Kind – aufgewachsen in einer künstlerisch talentierten Familie – großes Interesse und Freude am Malen gehabt. Aus diesem Grund hat Olfat an der Universität Damaskus Kunst auf Lehramt studiert. Beim Malen kennt Olfat keine Grenzen; sie malt und mag alle möglichen Maltechniken, von Aquarell über Öl bis hin zu Glas- und Stoffmalerei. Mittlerweile lebt Olfat mit ihrer Familie in Neutraubling und hat ihre Werke bereits bei mehreren Ausstellungen in Syrien und Deutschland ausgestellt.

IBRAHIM ALI

IBRAHIM ALI

*1995 in Somalia

2009 ist Ibrahim als Flüchtling nach Jemen gekommen. Als auch im Jemen der Bürgerkrieg ausbrach, machte er sich zum zweiten Mal auf den Weg und floh nach Russland, das jedoch keine Geflüchteten aufnahm. Ibrahim hat schließlich Zuflucht in der Ukraine gefunden, wo er das Glück hatte psychologische Beratung zu erhalten. Als seine Therapeutin Ibrahim vorschlug, seine traumatischen Erlebnisse in Bildern auszudrücken, um sie auf diese Weise zu verarbeiten sind aussagekräftige Kunstwerke entstanden, die sowohl die schönen als auch die dunklen Facetten seiner Heimat Somalia, beleuchten.

Ibrahim hat mittlerweile die Ukraine verlassen aber die Kunst verlässt er nicht. Heute lebt er im bayrischen Bad Aibling im AusbildungsFörderZentrum der Malteser Werke. Sein Credo, das sich auch in seinen Werken spiegelt, lautet: „Sprecht miteinander!“

NOBRAS HAMDAN

NOBRAS HAMDAN

*Al Suweida (Syrien)

Nobras kam 2015 nach Deutschland und lebt heute in Oberhausen. Kunst ist für ihn die größte Leidenschaft. Er studierte in Syrien zwar etwas anderes, war aber immer auch interessiert sich weiterzuentwickeln und fand so den Weg zur Kunst. In den vergangenen Jahren hat er bereits an einigen kleineren Ausstellungen teilgenommen.

Das Projekt

... ganz ausführlich

In unseren täglichen Begegnungen mit Menschen aus anderen Kulturkreisen haben wir Menschen getroffen, deren künstlerisches Talent uns beeindruckt hat. Viele dieser Künstler*innen finden in der Regel keine Möglichkeit, ihre Werke für die Öffentlichkeit sichtbar zu machen oder ihrer Leidenschaft nachzugehen, da sie nicht über die dafür notwendigen finanziellen Mittel und Möglichkeiten der Organisation verfügen.

Dies wollen wir ändern.

Um möglichst viele Künstler*innen zu erreichen & eine Auswahl qualitativ hochwertiger Exponate zu erhalten, haben wir unser internes Netzwerk genutzt. Sprich: Wir informierten alle hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeiter, in den von uns betreuten Einrichtungen und Projekten, über die Möglichkeit, an einer Ausstellung teilzunehmen. Die Betreuungsteams der unterschiedlichen Einrichtungen machten sich vor Ort auf den Weg, künstlerisch talentierte Personen in den jeweiligen Unterkünften zu ermutigen, sich zu bewerben.

Die eingesandten Werke wurden im agilen Team gesichtet und aus unterschiedlichen Blickwinkeln beurteilt und ausgewählt. Während der zweiten Vorbereitungsphase, haben wir den Teilnehmer*innen die Möglichkeit gegeben weiterhin produktiv zu sein. Daher stellten wir Raum, Zeit und Material für die Erstellung von Exponaten zur Verfügung. Eine Auswahl der dabei entstandenen Kunst kann nun zuerst im Landtag Nordrhein-Westfalens betrachtet werden.

Die Ausstellung besuchen

Die Ausstellung ist bis Donnerstag, 1. Oktober 2020, in der Bürgerhalle des Landtags zu sehen. Besucherinnen und Besucher können sie an Wochenenden zwischen 11 und 17 Uhr besichtigen, dann bietet das Parlament samstags und sonntags halbstündlich Touren durch das Parlamentsgebäude an.

Pro Gruppe können maximal neun Personen teilnehmen. Der Besuch ist kostenlos.

Wer teilnehmen möchte, kann sich vorab beim Landtag anmelden unter Tel. 0211-8842302 oder per E-Mail unter besucherdienst@landtag.nrw.de

Adresse

Landtag NRW
Platz des Landtags 1
40221 Düsseldorf

Ihre Ansprechpersonen

 Sebastian Hiller

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 Anja Müller

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Innovationsmanagement Malteser Werke


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